Rickli Wanderreisen
Marokko: Brunnen-Projekt
Das Projekt: Es sind nun 10 Jahre her, dass ich die erste Wanderreise in die Wüsten-Region von Zagora - Mhamid durchführte (die Reisen "WüstenWandern Südmarokko" und ab 2006 "Sandwelten"). In dieser Zeit sind 300 bis 400 Menschen mit Rickli Wanderreisen durch diese wunderschönen Landschaften gewandert und haben enorm viele schöne Momente und eindrückliche Erlebnisse geschenkt erhalten. Dies ist für mich Anlass, den Menschen dieser Region etwas zurückzugeben, insbesondere den Nomaden, die ein hartes Leben fristen da draussen.
Zu Beginn der WüstenWanderung im November '06 habe ich die Begleitequipe gefragt, ob es ein einfaches, konkretes Geschenk gibt, das ihnen ihr Leben erleichtern würde. Sie wünschten Bedenkzeit und am Ende der Tour fragten sie, ob ein Brunnen wohl zu teuer wäre. Meine Antwort war: Wenn er unter dem Gegenwert von CHF 2'000.- liegt, dann kann ich ihn sofort finanzieren, wenn er darüber liegt, dann sammle ich Geld für den Teil über Fr. 2000.-
Der nächste Schritt war, den Ort des Brunnens zu finden. Unsere Wunschliste: Erstens müssen die Chancen sehr gross sind, dass Wasser im Boden vorhanden ist. Zweitens sollte es eine Ecke in der Landschaft sein, wo sich oft Einheimische aufhalten, so dass sie auch wirklich Nutzen haben vom Brunnen (und sich nebenbei auch aus Eigeninteresse um ihn kümmern werden). Und drittens sollte der Brunnen wenn irgendmöglich Trinkwasser-Qualität aufweisen, denn Brunnen mit versalztem Wasser gibt es bereits genügend.
Hier sind die Begleiter über ihren Schatten gesprungen: Die meisten von ihnen haben ihre Zelte im Bereich des Jebel Bani. Dort - so fanden sie - habe es an sich genügend Wasserstellen. Dagegen mangle es weiter draussen in der Schwemmebene des Oued Draa an Wasser, insbesondere an trinkbarem Wasser (die meisten Wasserstellen dort haben stark versalztes Wasser).
Im März 2007 hat das ganze Projekt einen grossen Schritt in die Umsetzung gemacht: Ein geeigneter Ort war gefunden. Die Begleiter zeigten mir den Platz, an welchem der Brunnen stehen wird. Zudem erstellten sie einen Kostenvoranschlag.
Der Ort und das Bauvorhaben: Der Brunnen wird leicht erhöht neben dem Flusslauf des Oued Draa zu stehen kommen. Das Bachbett des Draa ist zwar zu 99% der Zeit trocken, doch wenn 1 bis 3 mal im Jahr Wasser fliesst, dann wird ein Brunnen, der im Bachbett steht, schnell unterspült. Das Bachbett des Draa ist in aller Regel an der Stelle des Brunnens trocken, doch nach der Erfahrung der Einheimischen und nach Auskunft des Rutengängers und Brunnenbauers, den die Begleiter beigezogen haben, befindet sich an der gewählten Stelle ein unterirdischer Lauf des Draa-Wassers. Der Rutengänger/Brunnenbauer rechnet damit, an der gewählten Stelle ca. 15 Meter tief graben zu müssen, um auf Wasser zu stossen. Da die Stelle 3 bis 4 Meter höher als die Sohle des Bachbetts liegt, kommt man damit grob auf 10 Meter unter die Sohle des Bachbetts, was die Chancen auf eine gute Qualität des Wassers, d.h. trinkbares Wasser, markant erhöht.
Letzten Endes habe ich persönlich zuwenig Erfahrung in Sachen Brunnenbau. Die Fragen, ob man auf Wasser stossen wird und wenn ja, welche Qualität das Wasser haben wird, lassen sich nur durch den Bau des Brunnens selbst definitiv klären. Den Rutengänger und Brunnenbauer habe ich kennengelernt und schätze ihn als seriös, erfahren und zuverlässig ein. Dies ist ein Fall, wo man der Expertise und Erfahrung eines Spezialisten vertrauen muss - und dem guten Willen von oben.
Dass Wasser oft in der unmittelbaren Nähe gefunden wird, zeigt schon der schattenspendende Unterstand, den die Nomaden gebaut haben. Hier warten sie, bis sich wieder Wasser gesammelt hat in den Wasserlöchern, die sie im Bachbett graben. Diese Wasserlöcher graben sie direkt in das Bachbett und sichern die Wände mit Ästen im sandigen Boden. Wenn das Wasser des Draa zulange ausbleibt, sinkt der Grundwasserspiegel im Boden unterhalb des Bachbetts zu tief ab, so dass diese Wasserlöcher trocken fallen. Und wenn der Draa mal Wasser führt, dann werden die Wasserlöcher verschüttet und müssen später neu gegraben werden.
Mit dem neuen Brunnen sollte das Warten, das Austrocknen und das Neu-Graben ein Ende haben.
Die Kosten: Der Kostenvoranschlag lautet auf ca. Fr. 4'000.-. Damit der ausgelöste Elan der Nomaden Erfolg bringt, habe ich die gesamte Summe bereits nach Marokko geschickt. Der Brunnen sollte ab Mai 2007 gebaut werden.
Fr. 2'000.- übernimmt Rickli Wanderreisen.
Spenden
Es fallen keine administrativen Kosten an, da sämtliche Spesen von Rickli Wanderreisen getragen werden.
Sollte sogar etwas mehr als das Notwendigste an Geld zusammenkommen, dann würden die Nomaden neben dem Brunnen gerne einen Trog mauern, um das Vieh bequemer tränken zu können. Dies haben sie als Wunsch geäussert, ihn aber selbst vorerst zurückgestellt, weil praktisch, aber nicht absolut notwendig.
Der Stand zur Zeit
Stand Projekt/Bau:
April 07: Das Geld ist in Marokko, der Bau sollte im Mai 2007 beginnen. Selbstverständlich kann es - gleich, wie wenn bei uns gebaut wird - stets Verzögerungen geben, etwa bei der Materialbeschaffung. Ich hoffe aber, dass sich diese im Rahmen halten werden.
Mitte Juni 07: Nachricht aus Marokko: Die Brunnenbauer haben mit den Arbeiten begonnen. Dann stiessen sie jedoch auf Sand. Das bedeutet, dass die Schachtwände nicht sicher abgestützt werden können. Der Vorschlag des Brunnenbauers: Etwas weiter weg vom Tal einen neuen Schacht graben, in einem Gebiet, das deutlich mehr Geröll im Bodenaufbau hat. Das wird aber mit Mehrkosten verbunden sein. Ich gebe mein OK zu den Mehrkosten, will aber gleichwohl eine Kostenabschätzung. Die Arbeiten gehen am neuen Ort weiter.
Ende Juni 07: Nachricht aus Marokko: Die Arbeiter sind am neuen Ort auf Wasser gestossen. Es soll Trinkwasser sein! Freude herrscht von den Alpen über den Hohen Atlas in die Dünen. Die Mehrkosten werden etwas mehr als Fr. 1000.- betragen, was ein Total der Brunnenkosten von um die Fr. 5'100.- bedeutet. Der Trog zumTränken des Viehs ist darin eingeschlossen. Das Geld wird in den nächsten Tagen überwiesen.
November 2007: Mit der ersten Reisegruppe nach dem Bau haben wir den Brunnen besucht. Ein bewegendes Erlebnis: Kaum nähern sich Menschen, trotten aus dem umliegenden Gebüsch Dromedare und Esel herbei und warten darauf, getränkt zu werden.
Der Brunnen wurde am 4. Juni 2007 fertiggestellt. Es waren 5 Anläufe notwendig: Bei 3 Schächten stiessen die Brunnenbauer auf Sand, so dass der Brunnenschacht nicht gesichert werden konnte (in der Wüste braucht es zuerst Wasser, damit der Zement zum Ausmauern des Brunnenschachtes angerührt werden kann). Sie versuchten es etwas weiter weg auf härterem Boden. Dort riet ihnen ein "unbeteiligter" Nomade, direkt im "Bachbett" zu graben, da dort das Wasser nahe an der Oberfläche sei. Es wäre für die Nomaden sehr unpraktisch, wenn sie eine ganze Herde Tiere tränken müssen und dazu jeden Kübel Wasser tief aus der Erde herausholen müssen.
Auf das Argument, dann könnte der Brunnen bei extrem hohem Wasser im Bachbett weggespült werden, erwiderte er: "Alle Brunnen, die in das Bachbett gebaut wurden, stehen noch. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass der Brunnen mit Sand voll gespült wird. In dem Fall wird der nächste, der ihn braucht, einfach den Sand herausschaufeln, und dann ist der Brunnen wieder bereit."
Die Brunnenbauer folgten dem Ratschlag und stiessen im Oued selbst innert ca. 3 Meter auf bestes Trinkwasser (ich habe das Wasser gekostet und es ist effektiv gutes, süsses Wasser ohne eine Spur von Salz). Darunter fanden sie Fels. D.h. der Fels ist nach ihnen ein Garant dafür, dass das Wasser nicht versalzen kann.
Stand Finanzierung: Es wurde mehr als die benötigte Summe gespendet. Der gewünschte Trog zum Tränken des Viehs konnte gemauert werden.
Der "Überschuss" wird für die Herz-Operation von Mohammed Najou verwendet.
Das Projekt ist damit erfolgreich abgechlossen! Super, mega-cool! Mich persönlich freut das Gelingen und insbesondere zu sehen, dass der Brunnen wirklich gebraucht wird, wie die wartenden Tiere zeigten.
Zustand Frühjahr 2010: Im Februar 2010 gab es während Tagen äusserst heftige Niederschläge im Gebiet von Mhamid, Jebel Bani, Zagora. Der Draa führte während Tagen so viel Wasser, dass die Strassen nördlich von Mhamid unterbrochen waren. Selbst drei Wochen später, Mitte März, führte das Bachbett immer noch Wasser und war für Kamelkarawanen unpassierbar. Sämtliche Brunnen im Bereich des Flussbetts des Draa wurden vom Hochwasser zerstört - auch "unser" Brunnen existiert schlicht nicht mehr. Schade, sehr schade ...